Astronomische Himmelsvorschau für April 2025

Astronomische Himmelsvorschau für April 2025

Mondkalender, versteckte Schätze und der Morgenstern

LANDKREIS FULDA, 28.03.2025. „Wenn die Sterne nur von einem einzigen Ort aus auf der Erde sichtbar wären, würden die Menschen nie aufhören, dorthin zu reisen, um sie zu sehen“, wusste der römische Gelehrte Seneca. Zum Glück ist im Sternenpark Rhön eine lange Reise gar nicht notwendig – hier genügt ein Blick aus dem Fenster nach oben. Was der Sternenhimmel im April 2025 zu bieten hat, beschreiben Sabine Frank, Sternenpark-Beauftragte beim Landkreis Fulda, und Hobby-Astronom Dr. Franz-Peter Schmidt in ihrer monatlichen Himmelsvorschau.

Zwar muss man sich nach der Zeitumstellung nun leider länger gedulden, bis es dunkel wird und sich die volle Sternenpracht zeigt. Aber die lange Abenddämmerung im Licht der Blauen Stunde – ein typisches Merkmal für den April – ist mit ihrer magischen Ruhe auch schon ein besonderer Genuss.

Das Frühlingsdreieck

Während die Wintersternbilder nach Einbruch der Dunkelheit allmählich am westlichen Horizont von der Himmelsbühne für den Rest des Jahres verschwinden, wird der südöstliche Bereich des Himmels nun vom sogenannten Frühlingsdreieck dominiert. Bestehend aus den drei hellsten Sternen der typischen Frühlingssternbilder ist es zwar kein eigenes Sternbild, dient aber gut als Aufsuchhilfe. Einer der drei Sterne ist der bläulich funkelnde Regulus, der – wie es sich für den König der Tiere gehört – das Herz des Sternbild Löwen markiert. Regulus hat den dreifachen Sonnendurchmesser und eine um Tausende Grad heißere Oberfläche als unsere Sonne, was das bläuliche Leuchten erklärt.

Richtung Südosten sieht man nun Spica, den hellsten Stern aus dem Sternbild Jungfrau bläulich funklen. Spica ist arabisch für „Kornähre“, und die Sichtbarkeit des Sternbilds Jungfrau markiert den Beginn des Frühlings. Der dritte Stern im Bunde ist der hellste Stern am nördlichen Sternenhimmel: der orange leuchtende Arktur. Dieser ist der hellste Stern im Sternbild Bootes, auch Bärenhüter genannt, denn er treibt die himmlischen Bärinnen vor sich her. Arktur lässt sich leicht finden, indem man die Deichsel Großen Wagens – der sich momentan fast im Zenit aufhält – in Richtung Horizont verlängert.

Unterhalb der Frühlingssternbilder schlängelt sich das Sternbild der Wasserschlange entlang, das die Geschichte erzählt, warum Raben als Singvögel nur krächzen können.

Ein Mondkalender für Ostern

Bekannt ist, dass wir Ostersonntag immer am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsanfang feiern. Da der Mond erst am Sonntag, 13. April, seine Vollmondposition erreicht, fällt Ostersonntag dieses Jahr also sehr spät auf die darauffolgende Woche. Diese Regel wirkt sich auf alle anderen beweglichen christlichen Feiertage im Kirchenjahr aus – die Grundlage ist der Lauf des Mondes. Das verwundert nicht, denn neben hell und dunkel bietet der Mond mit seinen 7-Tage-Phasen einen verlässlichen Kalender. Hübsch anzusehen ist gerade im Frühling auch das reflektierte Licht der Erde auf dem zunehmenden Mond, der sogenannte Erdschein.

Versteckte Himmelsschätze

Der Frühling ist eine gute die Zeit, um die Augenschärfe zu testen, indem man offenen Sternhaufen aufsucht. Das sind Gebiete, in denen gleichzeitig viele Sterne entstanden sind. Beim Aufsuchen hilft der Löwe. Denn rechter Hand und mittig zwischen Regulus und Pollux (Sternbild Zwillinge) befindet sich im Sternbild Krebs als diffus leuchtendes Fleckchen der offene Sternhaufen „Praesepe“, zu Deutsch Futtergrippe. Er besteht aus ca. 1000 Sternen in 570 Lichtjahren Entfernung. Links des Löwen befindet sich mittig zu Arktur der kleine Coma-Berenices-Sternhaufen, auch Melotte 111 genannt, im Sternbild Haar der Berenike. Es ist ein Vergnügen, beide Sternhaufen mit einem Feldstecher zu „besuchen“!

Jupiter, Mars und die Venus als Morgenstern

Während Jupiter und Mars noch in den Wintersternbildern am westlichen Abendhimmel verweilen, hat sich die schnelle Venus vom Abendhimmel zurückgezogen. Ab Monatsmitte erstrahlt sie jedoch schon wieder kurz vor Sonnenaufgang im Osten. Dann als sogenannter Morgenstern beschenkt sie die Frühaufsteher mit ihrem frostigen Glanz.

Kometenstaub sorgt für Sternschnuppen

Mit den Lyriden bekommen wir im April endlich wieder mehr Sternschnuppen, wenn die Erde auf ihrer Bahn um die Sonne vom 14. bis 30. April die Wolke aus Staubteilchen durchquert, die der Komet C/1861 (Thatcher) hinterlassen hat. Der Ausgangspunkt der Lyriden liegt scheinbar im Sternbild der Leier, und das Maximum am 22. April wird zur besten „Sendezeit“ zwischen 22 und 4 Uhr nicht vom Mondlicht gestört.

Sehnsuchtsort vor der Haustür

„Wenn die Sterne nur von einem einzigen Ort aus auf der Erde sichtbar wären, würden die Menschen nie aufhören, dorthin zu reisen, um sie zu sehen“ –  für diesen einen Ort, den Seneca sehnsuchtsvoll beschreibt, müssen wir also nicht weit fahren. Es ist unser Rhöner Heimathimmel, der direkt vor unserer Haustür liegt. Wir sollten ihn wieder erkunden und schätzen – so, wie es die Menschen einst getan haben und so auch den technischen Fortschritt ermöglichten. 

Hintergrund: Sternenpark Rhön

International Dark Sky Reserve: Dieser Titel wurde dem länderübergreifenden UNESCO-Biosphärenreservat Rhön auf Antrag der Regionalen Arbeitsgemeinschaft der Rhöner Landkreise (ARGE Rhön) im Sommer 2014 verliehen. Die International Dark Sky Association (IDA) vergibt den Titel an Schutzgebiete mit einem sternreichen Himmel und einer weitgehend intakten Nachtlandschaft, die wegen ihres ökologischen, wissenschaftlichen und kulturellen Werts beziehungsweise ihrer Bedeutung für Bildung und Erholung großräumig geschützt werden. In Deutschland heißen diese Gebiete Sternenpark.

Die Kulisse des Sternenparks Rhön erstreckt sich im Wesentlichen über das Gebiet des Biosphärenreservats. Mehr als 40 Kommunen in Hessen, Bayern und Thüringen haben freiwillig die Sternenpark-Beleuchtungsrichtlinien unterzeichnet. Aber auch Kommunen außerhalb der Gebietskulisse beteiligen sich am Schutz der Nacht. Ziel ist, Lichtverschmutzung bestmöglich zu reduzieren – also zu verhindern, dass künstliche Beleuchtung den Nachthimmel und somit wiederum die Natur und Schutzgebiete aufhellt. Rechtliche Grundlagen liefert unter anderem das Bundesnaturschutzgesetz.

Zu den Maßnahmen im Sternenpark zählen die Umrüstung von Beleuchtungsanlagen unter Beachtung von Parametern wie zielgerichtete Lichtlenkung, warme Lichtfarben mit geringem Blauanteil und bedarfsorientiere Beleuchtung und Intensität, aber auch zeitweise Abschaltung in der Nacht, für die sich Kommunen und Unternehmen freiwillig entscheiden.

Das Projekt Sternenpark ist aber nicht nur ein relevanter Bestandteil im Klima- und Artenschutz in der Region, sondern die Region profitiert auch im Bereich Tourismus und Erholung von der Auszeichnung. Im Sinne einer umweltfreundlichen Besucherlenkung und der Umweltbildung wurden Angebote wie Sternenparkführungen und Himmelsschauplätze entwickelt. Die Auszeichnung der IDA ist nicht auf Dauer verliehen, sondern die Maßnahmen werden jährlich evaluiert. Der Sternenpark Rhön ist somit ein Gemeinschaftswerk der Kommunen, Unternehmen und den Menschen, die in der Region leben. 

Rund um das Thema Beleuchtung erhalten Kommunen, Vereine und Gewerbetreibende, aber auch Privatleute Beratung. Auch Fördermittel stehen unter bestimmten Voraussetzungen zur Verfügung. Ansprechpartner sind die Fachstelle Sternenpark beim Landkreis Fulda sowie die Verwaltungsstellen des Biosphärenreservats in Hessen, Bayern und Thüringen.

Infos zum Sternenpark

Ausführliche Informationen zum Sternenpark, zum Thema Schutz der Nacht und umweltverträgliche Beleuchtung sowie Infos zu Erlebnisangeboten im Sternenpark Rhön: www.biosphaerenreservat-rhoen.de/sternenpark

Hinweis: Bitte daran denken, zum Schutz der wildlebenden Tiere Kunstlicht zu vermeiden bzw. rücksichtsvoll zu nutzen. Die Beobachtung des Sternenhimmels ist bereits an den Ortsrändern möglich – Schutzgebiete sind tabu.   

Veranstaltungen im Sternenpark Rhön finden Sie auf www.biosphaerenreservat-rhoen.de/sternenpark

Bildunterschriften

1: Mit Hilfe dieser Sternkarte kann man sehr leicht das Frühlingsdreieck am Himmel entdecken. Grafik: Vereinigung der Sternfreunde e. V.

2: Die Blaue Stunde, aufgenommen auf der Wasserkuppe von Jens Müller. Foto: Jens Müller

3: Die Grafik zeigt die Fluchtpunkte der April-Sternschnuppen. Grafik: Vereinigung der Sternfreunde e. V.

 

 

S. Frank und Dr. F.P. Schmidt, Team Sternenpark Rhön mit Unterstützung der VdS Deutschland e.V.